Eucharistie
Die Diagnose lautete „Gehirntumor". Gabriele Küpper aus Düsseldorf (48) wusste, dass sie bei dieser Diagnose nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Nichts wünschte sie sich sehnlicher, als ihre alten Freundinnen und Freunde noch einmal, ein letztes mal bei einem Abendessen zu bewirten. So saßen sie beisammen, sprachen über dieses und jenes, aber ganz in dem Bewusstsein, dass diese Momente für Gabriele und jeden von ihnen von einer unwiederbringlichen Bedeutung waren. Jedes Wort bekam Gewicht. Ganz dicht war die Atmosphäre. Beim Abschied flossen Tränen, wusste doch jeder, dass man sich in dieser Runde nie mehr sehen würde. Dieses Abschiedsessen würden sie nie vergessen...
In den Evangelien ist die Rede von einem Abschiedsmahl Jesu mit seinen Vertrauten. Mit Augen, die dieses Geschehen von Außen betrachten, kann man sagen: Jesus soll es mit seinen Jüngern am Abend vor seiner Verhaftung, seiner Passion und seinem Sterben im Obergeschoss eines Jerusalemer Hauses gehalten haben. Den Beschreibungen dieses Essens kann man entnehmen, dass Jesus mit seinem bevorstehenden Tod rechnete. Was er tat und sagte, trug den Charakter von Grundsätzlichem; man konnte es geradezu als Vermächtnis, als Testament verstehen, was Jesus sprach und mit welchen Gesten er seine Worte unterstrich. Wir dürfen uns das Essen im Rahmen eines jüdischen Festmahles vorstellen. Nach der Evangelienüberlieferung soll es sich um ein Pessah-Mahl gehandelt haben, bei dem für die Feiernden die Rettung Gottes aus der Hand der Ägypter ganz gegenwärtige Wirklichkeit wurde.
Mit „inneren Augen", den Augen des Glaubens, ist in diesem Geschehen mehr zu sehen, als in den vorausgegangenen Bemerkungen gesagt wurde: Bei jeder Feier der Eucharistie wird dieses letzte Mahl Jesu präsent, ja wird die Erlösung des Volkes Gottes gegenwärtig, nun auch bezogen auf das Handeln Jesu, der sich hingibt, um so für andere da zu sein. Sein Kreuz und seine Auferstehung werden in größter Intensität real gegenwärtig, sind geradezu zum Fassen nahe. So ist es nachzuvollziehen, dass seit den Anfängen der ersten Gemeinden Christen die Feier des Abendmahls zum zentralen Geschehen, zum Mittelpunkt des Gemeindelebens wird. Hier ist der Ort gemeinsamen Gebets. Hier wird aus der Schrift und den Evangelien vorgelesen und auf das Wort Gottes gehört. Hier wird der gemeinsame Glaube bekannt. Hier werden in der Feier Tod und Auferstehung Jesu, wird somit er selbst ganz und gar, gegenwärtig. Hier kann ihm in Dankbarkeit (griechisch: „Eucharistía") im Mahl begegnet werden. Und hier wird schließlich der Segen gespendet.
