Die St. Katharinenkapelle von Karl Kurrus

Als einprägsames Bild kennen wir den Anblick der alten Weinstadt Endingen vom fruchtbaren Ackerfeld der Ebene her, in südlicher Richtung zu den Rebbergen und bewaldeten Höhen. Über den Dächern, Türmen und Toren steht auf dem 492 Meter hohen Katharinenberg die Kapelle, der dieser schöne Aussichtsberg seinen Namen verdankt. In frühesten Zeiten hieß der Berg Hankrot.

Die Geschichte der Kapelle, welche der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht ist, wurde zur Jubiläumsfeier der Einweihung des neuen Bauwerkes, hundert Jahre zuvor, in dem 1962 erschienenen Bändchen ,,Die St.Katharinenkapelle auf dem Kaiserstuhl" dargestellt. Mit diesem Beitrag soll in kurzen Zügen das Wesentlichste aus dem Schicksal des Kirchleins aufgezeigt werden. Dabei wird auf legendäre Vorstellungen früherer Veröffentlichungen verzichtet. 

Älteste Nachweise

Das Stadtarchiv Endingen besitzt eine Urkunde vom Jahre 1402. Sie ist ,,geben uff sant Fabianen und sant Sebastianen tag" (20. Januar), indirekt wird die Katharinenkapelle darin bestätigt, indem geschrieben steht:

„ . . .Hanemann Stier, burger ze Endingen, und verjehent

öffentlich, also wir Pfleger sant Ketterinen uf dem

Hankrot sint unde sant Ketterine ein brieff het . . ."

Vermutlich wurde die erste Kapelle dort oben um 13 30 gebaut. Dabei wird es sich sicher um eine einfachste Holzkapelle gehandelt haben. Mit Urkunde vom 22. September 1468 präsentiert Sigismund, Herzog von Österreich, dem „verehrungswürdigen Vater in Christo Hermann Rudolf von Konstanz" den Priester David Medici für die Katharinenkapelle. Sigismund hatte das Patronatsrecht für die Katharinenkapelle.

Nach Aufzeichnungen im Pfarrarchiv Endingen wurde die Kapelle um 1400 täglich von Einheimischen aus Endingen und der Nachbarschaft besucht. In jenen Jahren, wo am Kaiserstuhl die Armut zu Hause war, ist es für die Gläubigen ein großes Opfer gewesen, die Kapelle zu errichten und zu unterhalten. Sie haben aber die Verehrung der hl. Katharina hochgeschätzt und es wurde von manchen Gebetserhörungen berichtet. In den Investiturprotokollen von 1471 (Erzbischöfliches Archiv) ist die Erlaubnis des Bischofs für eine einjährige Sammlung für die Kapelle vermerkt. 

Schwere Zeiten für die Menschen und das Kirchlein 

Im Bauernkrieg hat die Katharinenkapelle großen Schaden erlitten. In einem Vertrag vom 18. September 1525 wurden zu Schadenregulierungen für die Katharinenkapelle 500 Gulden angesetzt. Wir wissen nichts Näheres darüber, wie die Kapelle zu jener Zeit beschaffen war. Aber rund 200 Jahre seit der vermuteten Errichtung haben wohl ausgereicht, das sicher einfache Bauwerk in einen dürftigen Zustand kommen zu lassen.

Bis zum 30jährigen Krieg, wo die völlige Zerstörung der Katharinenkapelle berichtet wird, fehlt jeder weitere Nachweis. Im Jahre 1650 wird berichtet, daß der Pfarrer von St.Martin, Chrysostomus Kurz, in Anlehnung an die alten Mauerreste der Kirche, eine Kapelle gebaut hat. Dazu wird vermerkt, daß Knaben und Mädchen an einem Tag bis zu 30 Saum Wasser auf den Berg getragen haben, wohl zur Erstellung von Mauern, zumindest Fundamenten für die kleine Kirche. Das wären über 3400 Liter Wasser; ein schweres Stück Arbeit für die jungen Menschen.

Nach Berichten in den Pfarrakten lebte 1715 ein Josef Weltin von Gottenheim mit Genehmigung des Generalvikars von Konstanz als Eremit auf dem Katharinenberg. Er war dem Franziskanerorden beigetreten und erbaute sich, mit Erlaubnis des Magistrats von Endingen, bei der Kapelle ein Eremiten- und Waldbruderhäuschen. Als weitere Eremiten bei St.Katharina sind genannt: Andreas Beatrix aus Magdeburg, Jakob Danghofer aus dem Elsaß, Josef Heisler aus Säckingen, Johann Franz Walliser aus Amoltern, Johann Meister und Johann Baptist Bensei aus Endingen. Es wird auch von einer sogenannten Beschwörung berichtet, gegen die Bürgermeister Löffler und der Waldförster Johann Lederle aus Endingen eingeschritten sind. Dies war zu der Zeit, als Heisler fast zehn Jahre oben seine Eremitage hatte. Für den Erhalt bzw. Neubau der Kapelle wurde immer wieder gestiftet. 1717 lesen wir in den Pfarrakten von Endingen, daß die Kapelle durch einen hölzernen Behelfsbau ersetzt worden ist.

Nachbarschaftlicher Wille zu einem Kapellenneubau

Die im Erzbischöflichen Archiv Freiburg verwahrte Urkunde vom 1. Juli 1722 besagt: ,,Wir Bürgermeister und Rat der vorderösterreichischen Stadt Endingen im Breisgau bekunden hiermit, welcher gestalten die vermeintlich in dem Abfall ruinierten S.Catharinen- Capellen auf dem Berge, an der dreifachen Bannscheide zwischen Endingen, Amoltern und Schelingen bis auf gegenwärtige Zeit in verdrieslichen wüsten Stand geraten worden . . ., daß wenigstens das Endinger Bannes situierte Kirchenchor vollkommen erigiert und wieder gebaut werden könnte." Der Chor sollte 31 Schuh lang und 25 Schuh breit werden. 

Im Einverständnis der Gemeinden Amoltern, Endingen und Schelingen sollte die neue Kapelle so errichtet werden, daß der Markstein von der dreifachen Gemarkungsgrenze, die ja genau auf der Spitze des Berges ist (Wasserscheide), Mittelpunkt der Kirche wird. Endingen hatte den Hauptteil mit dem Kirchenchor zu errichten; die beiden Gemeinden Amoltern und Schelingen, mit der Grenze in der Mitte, das Kirchenschiff. Schelingen und Amoltern waren aber in jenen Zeiten nicht in der Lage, die gutmütig eingegangenen Baupflichten zu erfüllen. So blieb es bis heute bei dem von Endingen errichteten Teil, der aus Spenden der Endinger Bürger finanziert wurde. Direkt unter den Stufen, die zum Kapelleneingang führen, ist der Markstein der drei früheren Gemeinden. Legt man die Ergebnisse der Gemeindereform der Siebziger Jahre zugrunde, so ist das jetzt die Grenze zwischen der Stadt Endingen und der Stadt Vogtsburg. Baumeister der Kapelle war der Stadtrichter und Ratsherr Johann Kaspar Frei von Endingen. Sein wichtigster Helfer war der Maurer Christian Bader, ebenfalls aus Endingen. Im Frondienst haben die Endinger Bürger die Materialien auf dem Berg gefahren. 

Feierliche Kirchweihen und ein Zwischenfall

Am 2. August 1723 wurde die Kapelle im Auftrag des Bischofs vom Dekan des Kapitels Endingen, Chrysostomos Guldinat geweiht. Das nächste Amt hielt der Stadtpfarrer von Endingen, Johann Baptist Rieger am Katharinentag 1723. Diakon war Johann Jakob Stöklin, Pfarrer von Oberbergen, ein gebürtiger Endinger. Der ebenfalls aus Endingen stammende Pfarrer von Amoltern, Protasius Baumann, war Subdiakon und die Predigt hielt der Riegeler Pfarrer Anton Manz. Die Kaiserstühler aus vielen Orten beteiligten sich zahlreich an dem Gottesdienst am Sankt Katharinen tag. Im Jahre 1727 wurde die Kapelle exsekriert, weil in ihr ein verzweifelter Mensch sich selbst das Leben genommen hatte. Die gläubigen Kaiserstühler haben sich aber unverzüglich bemüht, daß in ihrer liebgewonnen Kirche wieder Gottesdienste gefeiert werden dürfen. So kam es, daß am 2. September 1738 der Weihbischof von Konstanz, Franz Johann Anton von Sirgenstein die Kapelle und den Altar ,,zu Ehren der hl. Katharina, Jungfrau und Märtyrerin, sowie des hl. Apostels Petrus und der hl. drei Könige" geweiht hat. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde auf dem Katharinenberg für alle umliegenden Orte das Sakrament der Firmung gespendet, wozu die Firmlinge aus ihren Heimatorten in Prozessionen auf den Berg zogen. Von da an waren an Sonn- und Feiertagen regelmäßig Gottesdienste in der St.Katharinenkapelle. An den Nachmittagen wurde darin der Rosenkranz gebetet. 

Neue Schrecken und Beschwernisse für die Kirche.

Während der französischen Revolution und den damit in Zusammenhang stehenden Aufständen waren an der Schwelle des ausgehenden 18. Jahrhunderts des öfteren Scharmütze (Gefechte kleinerer Gruppen). Eine der Gruppen hauste zeitweilig in der Kapelle. Sie wurde bis auf die vier Umfassungsmauern und den Dachstuhl zerstört und die Inneneinrichtung geraubt. Es sind mehrere der sich bekämpfenden Leute auf dem Berg ums Leben gekommen. Der schlechte Zustand des Kirchleins war dann mit ein Grund, daß es mit Resolution des Großherzogs vom 12. März 1809 aufgehoben wurde. Für Zwecke der Landesvermessung sollte die Katharinenkapelle zwar notdürftig erhalten werden, aber für eine gottesdienstliche Nutzung gab es zunächst kein obrigkeitliches Interesse. Der Kapellenfonds wurde als Filiale des Religionsfonds des Breisgaus und der Ortenau erklärt. Das Türmchen wurde 1818 auf Kosten des großherzoglichen Finanzministeriums für die Zwecke der Landesvermessung erneuert. 

Die Endinger Bürger erreichen Hauptreparatur der Kapelle

Eine persönliche Vorsprache beim Großherzoglichen Bezirksamt Kenzingen durch Ignaz Schutzenbach, Rechner des teilweise wieder selbständig gewordenen Kapellenfonds, erreichte zunächst das Einverständinis für eine Instandsetzung in geringem Umfang. 1847 hat ein starker Sturm das einsturzbedrohte Türmchen und die kleine Kirche noch einmal beschädigt, nachdem zuvor ein Blitz eingeschlagen hatte. Die Stadt Endingen beantragte 1849 eine Beteiligung des Staates an den Unterhaltskosten. Gleichzeitig hat sie sich zur sekundären Baupflicht bekannt. 230 Gulden wurden daraufhin für die Bauunterhaltung freigegeben. Mit all diesen Behelfsmaßnahmen gaben sich die Endinger Bürger aber nicht zufrieden. Sie wollten ihr Kathrinekirchli wieder so haben, wie es dem eigentlichen Zweck diente.

Zum 2. März 1849 wurde in Endingen eine Gemeindeversammlung einberufen. 398 Bürger waren dazu erschienen. Es wurde die klare Frage gestellt; „Macht sich die Gemeinde verbindlich zur ferneren Unterhaltung der St.Katharinen-Kapelle, wenn jetzt zur Reparatur derselben ein Staatsbeitrag geleistet wird, für weitere notwendig werdende Herstellungen im Falle der Unzulänglichkeit des Kapellenfonds zu sorgen?" Ihr 'Ja' gaben 363 Bürger; 35 stimmten mit 'Nein', weil sie die Übernahme der ganzen Kosten auf den Kapellenfonds und auf den Staat erreichen wollten. Für Reparaturkosten durften zunächst 230 Gulden der Fondskasse entnommen werden. Das war natürlich für eine umfassende Reparatur viel zu wenig. Zu allem Unglück hin schlug am 25. April 1850 der Blitz erneut in das Türmchen ein und richtete weiteren Schaden an.

Neue Hoffnung für die Kapelle - Fürstenbesuch

Am Vormittag des 30. September 1860 durcheilte das Städtchen, welches um seine Katharinenkapelle so besorgt war, die Kunde, daß Offiziere aus der Residenz Karlsruhe zu einem Besuch auf dem Katharinenberg eintreffen würden. Die noch größere Überraschung war, daß Seine königliche Hoheit, Großherzog Friedrich von Baden, mit seiner Gemahlin, der Großherzogin Luise, in Endingen eintraf. Zu der fürstlichen Gesellschaft gehörten ferner der damalige König Wilhelm 1. von Preußen, der 1871 Deutscher Kaiser wurde, und die Königin Augusta, die an diesem Tage Geburtstag feierte. Großherzogin Luise war die Tochter des Königspaares. In einem Zug von mehreren Wagen durchfuhren sie die Stadt und besuchten den Katharinenberg und das Kirchlein. Bei der Rückkehr der fürstlichen Kaiserstuhlbesucher wurden diese beim Schützen feierlich empfangen. Bürgermeister Kniebühler mit seinem Stadtrat, die Musikkapelle, das Feuerwehrcorps und weißgekleidete Festjungfrauen boten den Willkomm der Stadt. Die Fürstlichkeiten nahmen die Einladung des Bürgermeisters an und stiegen auf dem Martkplatz aus ihren von Pferden gezogenen Wagen. Sie begaben sich in den Ratssaal mit den alten Wappenscheiben zu einem erfrischenden Trunk. Glockenlauten und Böllerschüsse verkündeten den Fürstenbesuch weithin hörbar und zum Abschluß geleiteten Bürgermeister Kniebühler, der gesamte Stadtrat, der Feuerwehrkommandant und eine Anzahl berittener Bürger die fürstliche Wagengruppe bis zur Staatsbahn in Riegel, wo noch einmal ein schallendes „Lebehoch" ausgerufen wurde, als die Herrschaften den Extrazug bestiegen. In einer Botschaft wurde dem Endinger Bürgermeister mitgeteilt, daß zum Andenken an den Fürstenbesuch zwei Engel und ein Kruzifix für die St.Katharinenkapelle gestiftet werden.

 Bauliche Erneuerung der Kapelle

Der Fürstenbesuch regte viele Endinger dazu an, mit neuem Mut für eine gute Wiederherstellung ihrer Katharinenkapelle zu sorgen. Ein hierfür gebildetes provisorisches Komitee hat in einem Aufruf, der schriftlich in jedes Haus kam, zu einer Kundgebung des guten Willens für die Kapelle eingeladen. Am 25. November 1860 sollte eine solche Verkündung auf dem Katharinenberg stattfinden. Die ungünstige Witterung zwang jedoch dazu, daß die Besucher aus anderen Kaiserstuhlgemeinden und die Endinger sich im Endinger Rathaus versammelten. Es wurde vorgetragen, daß sich die Kosten für das Kirchlein und für den Turm, einschließlich einer gewünschten Galerie, 2 203 Gulden betragen würden. 766 Gulden waren durch Spenden bereits vorhanden, aber 1437 Gulden fehlten noch. Die Bevölkerung brachte weitere Opfer und nur mit stetigem Drängen konnte erreicht werden, daß aus dem Religionsfonds acht Jahre lang zunächst je 200, später 300 Gulden zu den Gesamtkosten beigesteuert wurden. Die Herrichtung der Kapelle hat letzten Endes 3 852 Gulden und 32 Kreuzer gekostet. Neben dem bei weitem nicht ausreichenden Betrag aus der Fondskasse haben die Stadt Endingen und ihre Bürger den Hauptanteil dieser Kosten bestritten. Die Hilfe der Nachbargemeinden des Kaiserstuhls und anderer Freunde aus nah und fern soll aber nicht verschwiegen werden. Der Gemeinderat und der Stiftungsrat von Endingen hatten einmal folgenden Spruch für die Kapelle formuliert:

„Gegen die Stürme in und außer dem Herzen findest du dieses Gotteshaus als mutspendenden Zufluchtsort."

Bischof von Ketteler weihte die Kapelle

Wegen Krankheit des damaligen Erzbischofs von Freiburg, Hermann von Vicari, hat in seinem Auftrag der Bischof von Mainz, Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler, am 7. Oktober 1862 die Kapelle eingeweiht. In feierlicher Prozession, von der St Peterskirche ausgehend, zog eine große Schar von Gläubigen zum Katharinenberg. Die würdige Feier hat das Freiburger katholische Kirchenblatt in allen Einzelheiten geschildert, wovon einige Sätze zitiert werden. „Gott gab zur Feier einen sonnenhellen, warmen, wunderschönen Herbsttag, ein wahrer Festtag. Unter dem herrlichen Geläute aller Glocken zog die majestätische Prozession zu der St.Katharinenkapelle. Von allen Seiten herbeiströmende Pilgerscharen gaben der Prozession bald riesige Dimensionen. Voran gingen mit Kreuz und Fahnen die langen Reihen der Schuljugend . . . Jünglinge, Jungfrauen, Pompiercorps. Nach Unterbrechung folgte eine lange Schar Priester in kirchlichen Gewändern. Nun folgte seine bischöfliche Gnade, der Hochwürdige Bischof Wilhelm Emanuel von Ketteier, Mainz. Hochderselbe war schon am Vorabend von Offenburg und Riegel kommend in Endingen eingetroffen. Unmittelbar nach seiner bischöflichen Gnaden ging der großherzogliche badische Kammerherr, der edle Freiherr Heinrich von Andlaw. Ihm zur Seite Hofmarschall Graf von Boos, Deputierter der Königin Augusta von Preußen. Hinter diesen noch viele Herren von Stand und Auszeichnung. Dann kamen der Stadtmagistrat, der Kirchenvorstand und die Bürgerschaft." Es ist wohl nicht übertrieben zusagen, daß allein schon die Beteiligung an der Prozession zur Katharinenkapelle als außerordentliches Bekenntnis gewertet wird, das der Weihe durch den Bischof in würdiger und Ehrfurcht heischender Art vorausging. Unterwegs, fast oben am Berg, hat Bischof von Ketteier das vom 15jährigen Xaver Seiinacht geschnitzte Kreuz (Corpus, jetzt im Saal der Kornhalle) eingesegnet. Die Kapellenweihe begann mit einer Prozession um die Kapelle von Bischof und Priestern, bis sie dann, unter Anrufung aller Heiligen, in diese eintraten. Nachdem der Bischof die Weihe vorgenommen hatte, zelebrierte er das feierHche Hochamt; dies war nach so langer Zeit wieder das erste hl. Opfer im Kirchlein. In seiner Predigt, gehalten auf der Außenkanzel über dem Eingang, nannte Bischof von Ketteier die Kapelle und ihren Standort einen heiligen Berg, eine denkwürdige Stätte und einen Ort der Gnaden. Bei der Heimkehr in die Stadt wurde die Prozession mit Glockengeläute begleitet. Das Fest wurde mit feierUchem Te Deum in der Peterskirche beendet. 

Die Kapelle in unserem Jahrhundert

Seit Gedenken der ältesten Leute wurde am Dienstag in der Bittwoche die Prozession auf den Katharinenberg gehalten. Dazu hatten die Schüler frei bekommen, und es war gerade auch für die Jugend ein Erlebnis, daß beim Hinaufziehen zur Kapelle, durch die wiedererwachte Natur, Gebet und Freude beieinander waren. In jüngster Zeit finden in der St.Katharinenkapelle regelmäßig am Ostermontag und Pfingstmontag Gottesdienste statt, und am Sonntag nach dem Katharinentag (25. November) wird deren Festtag nachgeholt. Zwischen der katholischen Kirchengemeinde Endingen und der Stadt wurde 1909 festgelegt und als Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen, daß die Kirchengemeinde berechtigt ist, die St.Katharinenkapelle zu gottesdienstlichen Zwecken unbeschränkt und ausschließlich zu benutzen. Die Stadt hat als Eigentümerin die Baupflicht. Der Vertrag wurde unterzeichnet von Bürgermeister Wilhelm Seilnacht und Stadtpfarrer Josef Lang. Bei dieser Regelung ist es geblieben. Immer wieder wurden Instandsetzungen notwendig, um die sich die Stadt nach bestem Können bemüht hat. 

Die Kapelle, errichtet in den Jahren 1861/62 am gleichen Platz wie frühere Bauten, hat eine Länge von 12 Metern und eine Breite 9,5 Meter. Die Giebelhöhe beträgt 18 m, wozu das Aussichtstürmchen mit weiteren 4,5 m kommt. Oberhalb des Westgiebels hängt eine kleine Glocke, die vom Geistl. Rat Grieshaber gestiftet wurde. Beim Guß mehrerer Glocken im Jahre 1714 in Endingen ist sie mitgegossen worden. 

Im Innern der Kapelle schmücken den schlichten Altar das Kreuz und zwei Engel, die von der Großherzogin nach dem Fürstenbesuch gestiftet worden sind. Links und rechts des Altares erinnern zwei Schrifttafeln an jenes Ereignis. Zwei Statuen, die Muttergottes und die hl Katharina darstellend, sind aus Sicherheitsgründen von der Kapelle in den Endinger Ratssaal genommen worden. Gute Kopien davon schmücken die Kapelle des Altenpflegeheimes, das ebenfalls den Namen St.Katharina trägt. Das Deckenbild im „Kathrinekirchli", wie es die Kaiserstühler gerne nennen, fertigte der Endinger Kirchenmaler Alexander Stertz. Eine Treppe führt zunächst zur Empore, dann weiter hinauf zum Türmchen. Rechts von der inneren Eingangstür ist ein kleiner Sakristeiraum.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren einige Schäden zu beseitigen und in den Jahren 1957 und 1958 betrugen die Instandsetzungskosten wieder rund 10 000 DM. Auf den Tag genau, am Sonntag, dem 7. Oktober 1962, wurde die Einhundertjahrfeier seit der Weihe der St.Katharinenkapelle durch Bischof von Ketteler beengen. Bürgermeister Herr und der Gemeinderat hatten sich um ein gutes Gelingen dieser Feier sehr angenommen. Domkapitular Dr. Schäuble feierte das Hl. Opfer in der Kapelle, nachdem er das nach Kriegsschäden wieder hergestellte Steinkreuz, eine Stiftung von Frau Stein, New York, zuvor eingesegnet hatte. Eine große Zahl von Besuchern aus Endingen und den andern Kaiserstuhlorten nahm sowohl am Gottesdienst als auch an der anschließenden weltlichen Feier auf dem Katharinenberg teil, in der Festpredigt würdigte Domkapitular Schäuble das Leben der Heiligen. Der Autor dieses Beitrags, der in seiner Ansprache nach dem Gottesdienst über die Geschichte des Gotteshauses berichtet hat, brachte zu diesem Festtag ein mit Bildern versehenes Bändchen heraus: „Die St.Katharinenkapelle auf dem Kaiserstuhl". Dabei war es gelungen, über den bisher ältesten Nachweis von 1468 hinaus, mit einer Urkunde aus dem Endinger Stadtarchiv vom Jahre 1402, die Existenz der Kapelle zu belegen. Der Tag wurde zu einem echten Heimatfest, im besten Sinne der Tradition, beim Kirchlein auf dem Hausberg. 

Du, mein Kirchlein auf dem Berge,

das die Väter uns geschenkt,

gib' dem Wand'rer Mut zum Werke,

daß den Schritt er aufwärts lenkt.

 

Ruf die Menschen, die dich schauen,

mit des Glöckleins heil'gern Lied:

Kommt voll Ehrfurcht und Vertrauen,

daß der Friede mit euch zieht.

 

Im Jahre 1967 mußten dringend Arbeiten am Kapellenbau verrichtet werden. Die Stadt hat hauptsächlich für Materialkosten und Einsatz von Handwerksmeistern rund 12 000 DM aufgewendet. In vorbildlicher Weise haben sich die Mitglieder der Schützengesellschaft Endingen in vielen Arbeitsstunden zur Verfügung gestellt, was einen weiteren Aufwand von etwa 10 000 DM ersparte. Besonders die Neueindeckung des Daches hatte keinen Aufschub

mehr geduldet. Bürgermeister Eitenbenz, dem die würdige Ausstattung und Erhaltung des Kirchleins besonders am Herzen liegt, hat mit Genehmigung des Gemeinderats für 1981 eine totale Innenrenovation vornehmen lassen. Am Westgiebel mußten die Schindeln entfernt werden, neue Scheiben mit Sicherung waren erforderlich. Die vollkommene Kupfereindeckung des Dachreiters und einige andere Verbesserungen wurden durchgeführt. Zur festlichen Übergabe der Kapelle nach abgeschlossener Renovierung am 24. Mai 1981 konnte der resignierte Abt des Klosters Oelenberg im Elsaß, jetzt im Kloster Birnau, für Festgottesdienst und Predigt in der St.Peterskirche gewonnen werden. Wegen der schlechten Witterungsverhältnisse war die Verlegung des Gottesdienstes in die Pfarrkirche notwendig. Anschließend wurde der Altarstein zur St.Katharinenkapelle hinauf gebracht und von Abt Dom Franciscus Ruprecht während einer schlichten Feier dort wieder eingesetzt. 

Nach der Feier und dem Wettersegen hielten die Ehrengäste auf dem Türmchen Ausschau zum Kaiserstuhl. Dabei hat ein Freund Endingens, Hofrat Arnulf Benzer von Bregenz, seine Freude mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht: „Dies Land ist herrlich, wirklich großartig; jeder Ort gewachsen. Das ist ein denkwürdiger Augenblick." Am Tag zuvor wurde eine Ausstellung in der Kornhalle eröffnet: „Kunstschätze aus dem ehemaligen Kloster Tennenbach". Beim Festabend im Pfauensaal hielt Pater Prior Dr. Spahr einen Vortrag über das ,,Wirken der Zisterzienser und das Kloster Tennenbach".

Ein großer Tag für das Kirchlein wurde auch der Katharinentag 1984. Die kleine Glocke über dem Westgiebel von 1714 bekam eine Ergänzung mit dem neugegossenen Glöcklein für den Aussichtsturm. Es trägt neben dem Stadtwappen die beachtenswerte Inschrift, welche dem Gedanken gemeinsam-christlicher Haltung aller Kaiserstuhlgemeinden gewidmet ist: „Heilige Katharina, bitte für die Einheit der Christen." Die Pfarrer beider christlichen Kirchengemeinden von Endingen segneten und weihten die neue Glocke vor der Kapelle bei zahlreichem Besuch der Kaiserstühler. 

Wo immer es um die Katharinenkapelle geht, sind die Bürger von Endingen und viele Nachbarn vom Kaiserstuhl begeisterte Helfer. Stadtmusik, Kirchenchor und die Gesangvereine sind in dankenswerter Weise immer bereit, die Stunden in und beim Kirchlein schön zu gestalten. Neben dem religiösen Sinn und Zweck der Kapelle ist sie, inmitten der Natur, ein sehr beliebtes Wanderziel. Und wo am Kaiserstuhl kleine Ausflüge oder größere Wanderungen gemacht werden, da muß natürlich ein gutes Glas Wein bereitgehalten werden, das zur gemütlichen Rast einlädt und ein frohes Lied erklingen läßt. Da hält es der Chronist für seine Pflicht, an die Männer und Frauen zu denken, die uns all die Jahre hindurch bewirtet haben und, so hoffen wir, weiter bewirten werden. Die Katharinenberg-Wirte, die nach dem unvergeßlichen Karl Zipse Mühe und Risiko auf sich genommen haben, um die Besucher zu stärken und zu erfreuen, seien für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg namentlich genannt:

Fritz Lederle (1946); Fritz Vetter (1947-1976); Harald Glatz, Harald Glockner, Martin Koch und Thomas Schneider (1977-1980); Sportverein Endingen (1981); Hilmar Klipfel und Ursel Sillmann (1982); seit 1983 Ursel Sillmann und Brigitte Morand. Den besten Dank an die Katharinenberg-Wirte können wir dadurch abstatten, daß wir uns immer wieder mit frohen Herzen und durstigen Kehlen bei ihnen einfinden. Beim Rundblick auf die Rebberge, zu den Dörfern und hinab ins Weinstädtli, dem die Kapelle anvertraut ist, werden wir bei einem herzhaften „Gsundheit" die Worte begreifen:

 

Kirchli, nooch bim Herrgott obe,

ziag is nuf üs allem Gwuahl!

Tua der Herrgottsgarte lobe! ~

D Krone bisch vum Kaiserstuahl!