Der 47 m hohe Turm der Peterskirche (Glockenstube bei 29 m Höhe), das markanteste, den ebenflächigen Teil der Stadt überragende Bauwerk, ist dazu angetan, das Läuten seiner Glocken weit hinaus zu schicken in die fruchtbare Ebene, hinauf zu den Rebbergen und vor allem hinein in die Straßen und Gassen der Stadt
ELF-UHR-GLOCKE von St.Peter
Ende 13. Jahrhundert
Schrift: O REX GLORIE REX XPE VENi CVM PAGE ANNO +
(O König der Glorie Christkönig komm mit Frieden).
95 cm Durchmesser, 520 kg schwer, Ton: b
.
Sie hing schon im Turm der romanischen Kirche, an deren Platz spätere Kirchbauten, zuletzt 1775 neu und größer errichtet wurden. Ihr Profil ist fast zylindrisch, am Hals zwischen zwei glatten Schnüren die Inschrift in gotischen Majuskeln. Die Jahreszahl ist nicht eingegossen; vermutlich fehlte dem Gießer beim Unterbringen des obigen Textes der Platz hinter dem ,,anno".
ZWÖLF-UHR-GLOCKE von St. Peter
datiert 1497
Schrift: me resonante pia popvli memento maria iohannes matthevs Ivcas marcvs 1497.
(Wenn ich erklinge, denk Maria o Gütige deines Volkes. Johannes, Matthäus, Lukas, Markus — Evangelisten).
118cm Durchmesser, 1000 kg schwer, Ton: g.
Außer zwei glatten Schnüren am Hals hat diese Glocke keinen Schmuck; die Inschrift in schönen, breiten und flachen gotischen Minuskeln (Kleinbuchstaben). Das Jahr in den typischen Zahlen des 15. Jahrhunderts. Diese Glocke, die öfters am Tag geläutet wird, erfüllt auch schon fast ein halbes Jahrtausend ihre Aufgabe.
Nach Aufzeichnungen des Augustinermönchs und Ortspfarrers von Wyhl, Jakob Abegg, wurden am 22. September 1714 zu Endingen eine Anzahl Glocken gegossen. Zu den damals gegossenen Glocken gehören:
GROSSE-GLOCKE St. Peter
datiert 1714
Schrift: OSANNA WIRDT ICH GENANDT TREIB VNGLVCKH AVS STATT VND LAND ERHALT VNS VOR HELLENHITZ VOR DONER HAGEL VND BLITZ H.F. FREY PFARRER VND CAMMER; DIE UNSCHVLDIGE KINDLEIN ENDINGEN ANNO 1714; PETER ROSIER VND PETER SEVROT UND NICOLAVS ROSIER HABEN MICH GEGOSSEN; IOHANNES SCHMID BVRGER MEISTER.
153 cm, 2200 kg, Ton: c²
Diese wirklich große Glocke mit ihren 44 Zentnern hat neben der reichhaltigen Inschrift ebensolche Verzierungen. Lange Zeit wurde sie vom Volksmund die ,,Kindiisglocke" genannt, weil auch zwei Kindlein beim Glockenguß abgebildet wurden, deren Tod man 1470 entdeckt und auf 1462 vermutet hatte. Wegen der hieraus entstandenen Verurteilung der Juden sei auf das Ergebnis gewissenhafter Nachforschungen in dem Beitrag ,,Die unschuldigen Kinder von Endingen" verwiesen.
Auf der Großen Glocke sind noch abgebildet: In beachtlicher Größe der Flügel, entnommen dem Wappen der Üsenberger, von denen Endingen sein Stadtrecht bekam; Petrus und Paulus, getrennt, jeweils auf einem Engelpodest; das Stadtsiegel und außerdem reiche Verzierung mit Lorbeer-Girlanden, Rosetten, Muscheln, Erdbeerblüten und Früchteband.
Verteilt auf die linke und rechte Seite des in einer Schildumrandung gezeigten Flügels stehen die Schriftzeichen für den Bürgermeister; ein Zeichen dafür, daß kirchliche und weltliche Gemeinde wohl gemeinsam die am Ort gegossenen Glocken beschafft haben, was wir nachstehend bei der Kleinen Glocke noch feststellen werden.
SALVE GLOCKE St. Peter
datiert 1714
Schrift: SANCTA MARIA MATER DEI ORA PRO NOBIS ENDINGEN ANNO 1714.
(Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns).
77 cm, 270 kg, Ton: c.
Mit einem Muttergottesbild und einfacheren Erdbeerornamenten geschmückt, sind im verkleinerten Maßstab ähnliche Ornamentmotive wie bei der Großen Glocke gegeben. Neben Akanthusranken 1. Kruzifixus. 2. Muttergottes mit Zepter und Krone, das Kind mit Zepter und Weltkugel
KLEINE GLOCKE St. Peter
datiert 1714,
Schrift; SANCTA ANNA ET VERBVM CARO FACTVM EST VOX EGO SVM VITAE VOCO VOS GRATE VENITE SVMPTIBVS ECCLESIAE PAROCHIALIS S PETRI ET CIVITATIS ENDINGENSIS 1714.
(Heilige Anna / Und das Wort ist Fleisch geworden / Ich rufe Euch, betet, kommt / Aus den Einkünften der Pfarrkirche St.Peter und der Stadt Endingen).
63 cm, 150 kg, Ton: d.
Auf der Glockenwandung sind Abbildungen eines Kreuzes mit Corpus auf einer Engelskonsole, sowie der Muttergottes mit Jesuskind und einem Zepter in der rechten Hand. Schräg darüber und genau unter dem Wort Endingensis in einer Kartusche das Stadtwappen. Wie bei der Großen Glocke schon angedeutet, wird durch die Schrift auf dieser Glocke die gemeinsame Zahlung des Glockengusses von Kirchengemeinde und Stadt dokumentiert.


